Silves

Posted by Fam.Heitmueller on Januar 25, 2017

Etwas abgelegene sehenswerte historische Kleinstadt mit 11.000 Einwohnern im Inneren der Algarve am Rio Arade gelegen und von einer ausladenden Ziegel-/Sandsteinburg dominiert. Wegen dieser ruhigen Lage im Norden der Algarve, etwa 15 km vom Meer entfernt, hat sich Silves seinen eigenen Charakter bewahrt und lässt erkennen, wie das echte Portugal vor dem Tourismus war. Dies spürt man insbesondere innerhalb der Mauern der Altstadt, in der die Veränderungen der letzten 100 Jahre kaum erkennbar sind.

Silves ist eine der ältesten Städte an der Algarve, die etwa 1000 v.Chr. durch Phönizier und Karthager gegründet wurde. Unter den Römern wuchs die Siedlung zu einer bedeutenden (Hafen-)Stadt heran, die Ende des 5. Jh.n.Chr. an die Westgoten, später an die Berber, Araber und Mauren fiel, die dann im 13. Jh. vom Ritterorden Santiago vertrieben wurden. Im 14./15. Jh. erlebte Silves einen totalen Niedergang durch eine totale Versandung des Rio Arade und damit einhergehend den Verlust des Hafens. Epidemien wie die Pest und andere schlimme Krankheiten dezimierten die Bevölkerung sehr stark. Im 16./17. Jh. begann die spanische Zeit, in der es wieder leicht aufwärts ging. Das große Erdbeben 1755 vernichtete die Stadt so stark, daß nur noch 20 Häuser stehenblieben. Der Wiederaufbau wurde schnell in Angriff genommen und ging offenbar so gut voran, daß Napoleon Anfang des 19. Jh. dreimal erfolglos versuchte, die Stadt zu erobern. Nach Bürger- und Bruderkriegen zwischen Liberalen und Absolutisten (1820-1839) kehrte endlich Frieden ein, so daß 1839 die bis dahin in Portugal unbekannte Korkgewinnung durch eine spanische Einwanderin eingeführt und bis Ende des 19. Jh. von den Portugiesen kräftig ausgeweitet wurde. Durch den Bau einer Korkfabrik 1894 begann die industrielle Fertigung. Es entstanden so viele neue Arbeitsplätze, daß ein eigenes Arbeiterviertel gebaut wurde. Silves wurde zu einer der Korkmetropolen und erlangte so einen beachtenswerten Wohlstand. In der Stadt wurde eine Industrie- und Handelsschule gegründet und sogar ein eigenes Theater gebaut. Seit die Korkindustrie ab 1980 in die Krise geriet, schrumpfte der Arbeitsmarkt rapide. Dieser Strukturwandel führte dazu, daß die Zahl der Arbeitsplätze nur sehr langsam wieder zunahm, woran der wachsende Tourismus den grössten Anteil hat.

 

Das Wahrzeichen von Silves und ein wichtiger Anziehungspunkt ist die Burg (Castelo dos Mouros) aus rotem Sandstein, von der man einen herrlichen Blick über die Stadt und ihr Umland geniessen kann. Das Castelo und die Überreste der alten Stadtmauer lassen erahnen, daß die Stadt einmal eine große Bedeutung hatte.

Sehenswert ist auch die dreischiffige Kathedrale Sé, die als älteste Kirche der Algarve ab 1189 auf dem Fundament einer früheren Moschee errichtet wurde. Natürlich fiel auch diese Kathedrale dem Erdbeben von 1755 zum Opfer. Sie wurde im gotischen Stil wieder aufgebaut und beherbergt seit 2008 die Capela do Santissimo, die mit alten, handgefertigten Azulejos und vergoldeten Holzschnitzarbeiten verziert wurde.

In Silves befindet sich in einem modernen Gebäude, das um eine maurische Zisterne herum gebaute, Städtische Archäologiemuseum, mit zahlreichen Exponaten von Menhiren und Grabstätten aus der Eisenzeit, vom Paläolithikum bis zur maurischen Epoche, die ungewöhnlich gut präsentiert wird.

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